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Riesenhaie: Die sanften Riesen, die niemand kennt
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Riesenhaie sind Meister der Unsichtbarkeit. Zehn Meter lang, zwei Meter breites Maul, dicht unter der Wasseroberfläche – und trotzdem sehen wir sie kaum. Sie sind die zweitgrößten Fische der Erde. Nur Walhaie sind größer. Doch während Walhaie in populären Dokumentationen auftauchen, bleiben Riesenhaie ein Geheimnis. Ein Geheimnis, das dringend gelüftet werden muss – denn diese sanften Riesen sind in ernster Gefahr.
Ihr wissenschaftlicher Name ist Cetorinus maximus. Auf Englisch heißen sie Basking Sharks – weil sie bei schönem Wetter an der Wasseroberfläche gesehen werden, als würden sie Sonnenbäder nehmen. Dieser Name ist irreführend, aber charakteristisch für das, was wir über Riesenhaie wissen: nicht viel.
Was sind Riesenhaie wirklich?

©© David Mark/Pixabay
Riesenhaie sind Filterfresser. Sie haben keine Zähne – stattdessen Kiemenreusen, zackige Strukturen an den Kiemen, die Plankton aus dem Wasser filtern. Sie schwimmen mit offenem Maul durch planktonreiche Gewässer und essen buchstäblich das Meer. Es ist ein bizarres Bild: Ein zehn Meter langer Hai, einer der größten Raubtiere, der sich ausschließlich von winzigen Organismen ernährt.
Das macht Riesenhaie zu den sichersten Haien für Menschen. Sie sind harmlos. Sie können nicht beißen, wollen nicht beißen, haben gar nicht die physische Fähigkeit dazu. Riesenhaie sind sanfte Riesen im wahrsten Sinne des Wortes.
Aber genau das ist auch das Problem: Weil sie harmlos sind, kümmert sich niemand um sie. Ihre Lebensräume werden nicht geschützt. Ihr Verhalten ist kaum erforscht. Wissenschaftler wissen nicht, wo Riesenhaie den Großteil des Jahres verbringen. Sie tauchen kurz auf, fressen ein paar Wochen, und verschwinden dann wieder – wohin, bleibt ein Rätsel.
Wo man Riesenhaie findet
Riesenhaie bevorzugen kalte, planktonreiche Gewässer auf beiden Hemisphären. Im Norden sind sie in der Nordsee, dem Nordatlantik, vor Irland, England, Schottland und Nordfrankreich anzutreffen. Im Süden gibt es sie vor Südafrika, Australien und Neuseeland.
Das Wasser muss kalt sein – normalerweise unter 15 Grad Celsius. Das ist ausschlaggebend. Deshalb sind Riesenhaie im Mittelmeer ein Rätsel. Gelegentlich wird ein junger Hai dort gesichtet, etwa vor Kroatien. Das Wasser ist zu warm, die Bedingungen sind nicht ideal. Diese Tiere haben sich wahrscheinlich verirrt, folgen Strömungen, die nicht in ihre typischen Habitate führen.
Die beste Zeit, um Riesenhaie zu beobachten, ist April an der irischen Westküste. Vier bis sechs Wochen dauert diese Saison, in denen die Tiere zuverlässig an der Oberfläche fressen. Danach verschwinden sie – wahrscheinlich Richtung Norden, Schottland, aber sicher weiß das niemand.
Die größten Bedrohungen: Das Unsichtbare macht Riesenhaie kaputt
Riesenhaie haben mehrere Feinde. Plastik ist einer: Wenn die Tiere an der Oberfläche fressen, können sie versehentlich Kunststoffteile mit dem Plankton aufnehmen. Mikroplastik ist überall im Meer, auch im Plankton. Riesenhaie können nicht zwischen Nahrung und Müll unterscheiden.
Netze und Leinen von Fischereifahrzeugen sind ebenfalls tödlich. Riesenhaie verwickeln sich darin, können nicht entkommen und ersticken.
Aber die größte Bedrohung sind Schiffskollisionen. Und das ist das Tragische: Diese Unfälle werden kaum dokumentiert. Sie passieren unsichtbar, unter der Wasseroberfläche. Ein großes Containerschiff kollidiert mit einem Riesenhai in voller Fahrt – der Hai wird schwerst verletzt, sinkt zum Meeresgrund und stirbt. Niemand sieht es.
Forscher der Headfield University haben Kameras an Riesenhaien angebracht. Diese Tags zeichnen Video, Tiefe und Geschwindigkeit auf. Ein Video zeigt genau, was passiert: Ein Riesenhai schwimmt gemütlich unter der Oberfläche, die Kamera filmt entspannung und Schönheit. Auf einmal: Kollision mit einem Motorboot. Die Kamera wird aus dem Wasser gerissen. Der Hai dreht sich um seine Achse, sinkt ab, wird dunkel. Der Geschwindigkeitsmesser zeigt keine Bewegung mehr. Das Tier ist tot.
Das war ein kleines Motorboot. Ein Containerschiff hätte deutlich mehr Schaden angerichtet.
Riesenhaie beobachten: Eine Expedition ins Unbekannte
Die irische Westküste ist der beste Ort, um Riesenhaie zu sehen – im April. Es gibt keinen kommerziellen Veranstalter, nur private Skipper, die mit Zodiacs hinausfahren. Das Wasser ist grün und trüb – tauchen macht keinen Sinn. Schnorcheln ist die Methode.
Riesenhaie schwimmen in Mustern: Zickzack, Schleifen, Kreise. Wer das Muster erkennt, kann vorhersagen, wo der Hai auftauchen wird. Der Skipper setzt einen ins Wasser, man wartet, und dann kommt dieser riesige Kopf mit dem großen Maul aus dem trüben Wasser auf einen zu.
Es ist spektakulär und erschreckend zugleich – vor allem, wenn man nicht aufpasst und ein zweiter Hai von der anderen Seite auftaucht und einen mit seiner Brustflosse sanft wegstoßt. So beiläufig, als würde er sagen: „Hey, Platz machen.“
Das ist die Natur von Riesenhaien: Sie sind groß, imposant, präsent – aber nie aggressiv.
Fazit: Riesenhaie brauchen Aufmerksamkeit
Riesenhaie sind die sanften Riesen, die wir nicht kennen und die wir schützen müssen. Sie sind wenig erforscht, kaum überwacht und permanenten unsichtbaren Bedrohungen ausgesetzt. Schiffe töten sie, Plastik vergiftet sie, Netze ersticken sie – alles unbemerkt.
Wenn wir Riesenhaie schützen wollen, müssen wir sie zunächst sehen. Und das können wir. Im April, vor der irischen Westküste, sind sie da.
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