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Korallenriffe: Warum das Fundament unserer Ozeane in Gefahr ist
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Sie sehen aus wie bunte Steine, werden oft für Pflanzen gehalten – und sind in Wahrheit Tiere. Korallenriffe gehören zu den faszinierendsten und gleichzeitig am stärksten bedrohten Ökosystemen der Erde. Sarah Abdelhamid, Meereszoologin aus Deutschland, lebt und forscht seit über zehn Jahren in Ägypten. Ihre Masterarbeit widmete sie dem Langzeit-Monitoring von Korallenriffen im Sudan – mit Ergebnissen, die nachdenklich stimmen.
Was Korallenriffe wirklich sind – und warum das wichtig ist

© AlicekeyStudio from Pixabay
Langzeit-Monitoring: Was 40 Jahre Forschung zeigen
Für ihre Masterarbeit wertete Sarah Langzeitdaten aus einem sudanesischen Korallenriff aus – Aufnahmen desselben 5×5-Meter-Abschnitts aus den Jahren 1980, 1991 und 2019. Die Methode: dünne Seile, die exakt über denselben Bereich gespannt werden, um das vertikale Riffwachstum zu messen und Veränderungen in der Artenverteilung sichtbar zu machen.
Ein überraschendes Ergebnis: Zwischen 1980 und 1991 war der Lebendanteil des Riffs mit rund 50 Prozent bemerkenswert stabil – trotz zunehmender industrieller Einflüsse weltweit. Das war für Sarah eine positive Überraschung.
Doch der zweite Befund ist alarmierend: Zwischen 1991 und 2019 – also über einen Zeitraum von knapp 30 Jahren – hat das Riff kaum noch vertikal gewachsen. Das Wachstum brach um etwa 80 Prozent ein. Sarah vermutet als Hauptursache die fortschreitende Ozeanversauerung: Steigende CO₂-Werte lösen das Kalziumkarbonat auf, aus dem Korallenskelette bestehen – das Baumaterial des Riffs wird buchstäblich abgetragen.
„Seitdem ich diese Masterarbeit geschrieben habe, sehe ich Riffe mit völlig anderen Augen. Ich sehe sofort, wo ein Riff noch unter guten Bedingungen ist – und wo es in die falsche Richtung geht.“Sarah Abdelhamid, Meereszoologin
Korallenbleiche: Was wirklich dahintersteckt
Korallenbleiche ist kein Tod – zumindest nicht sofort. Wenn das Meerwasser zu warm wird, stoßen gestresste Korallen ihre Zooxanthellen ab. Damit verlieren sie ihre Farbe und erscheinen weiß. Solange die Polypen noch in ihren Kalkröhren sitzen, sind die Tiere nicht tot – aber schwer krank. Sinkt die Temperatur nicht schnell genug wieder, sterben sie.
Die Ursache ist eindeutig: der Klimawandel. Daran lässt Sarah keinen Zweifel. Forschungsprojekte zur Korallenrestaurierung gibt es weltweit – und manche Ansätze sind vielversprechend. Doch ohne eine Reduktion der globalen Erwärmung werden auch widerstandsfähigere Korallen langfristig nicht überleben.

© Hans from Pixabay
Wie Korallenriffe underwater erforscht werden
Monitoring unter Wasser funktioniert analog und digital zugleich. Wasserresistente Schreibtafeln und Bleistifte – die einzigen Stifte, die unter Wasser nicht schmieren – gehören zur Grundausstattung. Entlang von Transektlinien werden Substrate Punkt für Punkt erfasst: toter Stein, lebende Koralle, welche Art, hart oder weich. Organisationen wie Reef Check haben diese Methode weltweit standardisiert. Für ihre Masterarbeit nutzte Sarah zusätzlich Fotomosaike und 3D-Programme, um das gesamte Untersuchungsfeld digital zu rekonstruieren und auswertbar zu machen. Heute übernimmt KI immer mehr dieser Auswertungsarbeit – Korallen- und Substrattypen werden automatisch erkannt. Die Technologie macht Monitoring schneller und zugänglicher, auch wenn die Frage der Finanzierung bleibt.Was jeder tun kann – auch ohne Tauchschein
Sarah appelliert nicht mit erhobenem Zeigefinger – sondern mit dem Hinweis, dass kleine Entscheidungen zählen. Wer ins Wasser geht: kein chemischer Sonnenschutz, lieber ein Rashguard. Wer zuhause ist: bewusst Fisch kaufen oder hinterfragen, welches Plastik im Alltag steckt und wo es landet. Welche Kleidung enthält Mikroplastik? Gelangt es ins Meer? „Es gibt so viele tolle Alternativen“, sagt Sarah. Niemand müsse sich dabei etwas wegnehmen. Es gehe darum, die eigenen Entscheidungen bewusster zu treffen – und damit andere zu inspirieren, es genauso zu machen.Fazit: Korallenriffe brauchen Aufmerksamkeit – jetzt
Korallenriffe sind nicht irgendein schönes Unterwasserdekor. Sie sind Küstenschutz, Medizinlabor, Nahrungsquelle und Lebensraum für ein Viertel aller Meereslebewesen – auf gerade einmal 0,1 Prozent des Meeresbodens. Wer einmal wirklich verstanden hat, was auf dem Spiel steht, taucht anders. Und lebt vielleicht auch anders. Sarah Abdelhamid ist als Meereszoologin für Turtle Watch Egypt tätig und bietet Online-Kurse zu Meeresökologie an – unter anderem über SSI. Weitere Informationen finden sich in den Shownotes.
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Redaktion
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