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Ostseetauchen: Was dieses Meer so besonders macht

Wer ans Tauchen denkt, denkt an tropische Riffe, bunte Fische und 30 Meter Sicht. Die Ostsee bietet das nicht – und ist trotzdem eines der faszinierendsten Tauchgebiete Europas. Ostseetauchen ist anders. Es ist unberechenbar, überraschend und für alle, die sich darauf einlassen, oft eindrucksvoller als erwartet. Was dieses Gewässer so besonders macht, warum es biologisch einzigartig ist – und was Taucher wissen sollten, bevor sie ins Wasser gehen.

Die Ostsee ist kein normales Meer

@ MirellaST from Pixabay

Wissenschaftlich gesehen ist die Ostsee ein Ästuar – ein Binnenmeer ohne direkte Verbindung zum offenen Ozean. Die Verbindung zur Nordsee existiert nur durch einen engen Durchlass bei Dänemark, durch den gelegentlich salzreiches Atlantikwasser einströmt. Gleichzeitig speisen unzählige Flüsse die Ostsee mit Süßwasser. Das Ergebnis: ein sogenanntes Verdünnungsbecken mit dramatisch unterschiedlichen Salzgehalten – von rund zwölf Promille im Westen bis fast null im Bottnischen Meerbusen im Nordosten, wo das Wasser im Winter regelmäßig gefriert. Diese Mischung prägt alles: die Tierwelt, die Sichtverhältnisse, die Unterwasserlandschaft – und damit das gesamte Erlebnis beim Ostseetauchen. Im Westen schwimmen Meerestiere, die Salzwasser vertragen. Im Osten tummeln sich Hecht und Barsch, die man eher aus dem heimischen See kennt. Und dazwischen gibt es Übergänge, die biologisch hochspannend sind. Sicht, Strömung, Überraschungen – Ostseetauchen ist nicht planbar Die Sichtverhältnisse beim Ostseetauchen hängen stark von Wind und Jahreszeit ab. Bei ruhigem Wetter, wenn die See ein paar Tage Zeit hatte sich zu beruhigen, sind 20 Meter Sicht durchaus möglich. Nach Sturm wirbeln die flachen Gewässer den Boden auf – und die Sicht ist auf wenige Meter reduziert. Im Frühjahr kommt die Brackwasseralgenblüte, im Sommer die Blaualgen. Dann können es auch mal nur fünf Meter sein. Hinzu kommt eine Besonderheit der Thermokline: Im Sommer liegt warmes, grünliches Wasser oben – darunter eine Temperatursprungschicht, und darunter eiskaltes, klares Wasser. Wer an einem Wrack taucht und in die Tiefe abtaucht, erlebt einen abrupten Übergang: oben grüne Suppe, unten plötzlich glasklare Sicht auf das gesamte Wrack. Ein Effekt, den man nur beim Ostseetauchen so erlebt. Unterwasserlandschaften: Mehr als Sand

@ Pixabay from Pixabay

Die Ostsee ist flach – im Schnitt etwa 50 Meter tief, viele Tauchgründe liegen bei 5 bis 6 Metern. Das klingt unspektakulär, ist es aber nicht. Die Eiszeit hat Steine und Felsformationen hinterlassen, die aus dem Sandgrund herausragen und sofort besiedelt werden: Muscheln, Balaniden, Seepocken – und all die Tiere, die sich wiederum von diesen ernähren. Ein einzelner Stein kann ein ganzes Ökosystem beherbergen. Seegraswiesen bilden eigene Lebensräume mit Krebsen, Fischen und einer Ruhe, die einen schnell vergessen lässt, dass man sich in einem der meistbefahrenen Meere Europas befindet. Wer Glück hat, begegnet im Frühjahr dem Seehasen – einem tiefseeähnlichen Fisch mit großen Augen, der nur zur Laichzeit in die flachen Küstenzonen kommt und Taucher oft ratlos zurücklässt, weil er dort schlicht nicht erwartet wird. Oder im Sommer der Feuerqualle, die mit bis zu zwei Meter langen Tentakeln durch das helle, sandreflektierte Wasser treibt und auf ihre Art durchaus malerisch ist – solange man Abstand hält.    

Wracks: Geschichte auf dem Meeresgrund

Ostseetauchen und Wracks gehören untrennbar zusammen. Die Ostsee war über Jahrhunderte ein zentrales Handelsmeer und Kriegsschauplatz – entsprechend viel liegt auf dem Grund. Von mittelalterlichen Handelsschiffen bis zu Fähren aus den 1990er Jahren, von Flugzeugwracks bis zu noch unentdeckten Relikten, die jedes Jahr nach den Herbststürmen neu freigelegt werden. Marinearchäologen fliegen jährlich im Frühjahr die Küste ab und vergleichen Luftaufnahmen, um neue Funde zu dokumentieren. Die meisten Wracks werden bewusst nicht geborgen. Das Salzgehalt der Ostsee konserviert Holz und Metall hervorragend – an der Luft würden viele Funde sofort zerfallen. Das macht die Ostsee zu einem natürlichen Freilichtmuseum, das jedes Jahr neue Überraschungen bereithält.

Ostseetauchen praktisch: Was man wissen sollte

Navigation ist beim Ostseetauchen keine Nebensache. Der Grund ist oft einheitlich, Orientierungspunkte fehlen. Wer ohne Ortskenntnis ins Wasser geht, verlässt sich besser auf einen Kompasskurs als auf Sichtpunkte. Strömung aus westlicher Richtung ist häufig – wer sich treiben lässt, muss das in die Planung einkalkulieren. Erfahrene Einheimische oder lokale Tauchbasen zu fragen, lohnt sich immer. Tiefe ist selten das limitierende Element beim Ostseetauchen – Temperatur schon eher. Die flachen Bereiche können im Hochsommer über 20 Grad warm werden, in der Tiefe oder nach kalten Einströmungen aus dem Norden bleibt es ganzjährig kalt. Ein gut sitzender Neoprenanzug oder Trockentauchanzug ist Pflicht. Die beste Zeit für Ostseetauchen ist der Spätsommer und frühe Herbst – September, Anfang Oktober. Die Blaualgenblüte ist vorbei, die Sicht gut, die Strömung ruhig, die Touristen weg. Alles, was im Frühjahr geschlüpft ist, ist ausgewachsen. Und das Licht fällt tief und warm ins Wasser.

Fazit: Ostseetauchen lohnt sich

Die Ostsee ist kein Ersatz für das Rote Meer – sie ist etwas völlig anderes. Wer sich auf ihre Eigenheiten einlässt, findet ein Tauchgebiet, das Geschichte, Biologie und Landschaft auf engstem Raum vereint. Kein Tauchgang ist wie der andere. Und genau das macht Ostseetauchen so besonders.

Unsere Redaktion wird geleitet von Chefredakteur Markus Mensch, der sich schon als Redakteur für Munichs Best, dem blu Magazin und dem Leo Magazin einem Namen machen konnte. 2010 gründete er das Online-Magazin „magazine4“, welches Ende 2014 verkauft wurde. Nun sticht er mit “Monaco de Luxe” neu in See, vereint sein Netzwerk und seine Erfahrungen, um neue Ziele für seine Leser, Kunden und Partner zu erreichen.

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