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Geisternetze: Die unsichtbare Bedrohung unter der Meeresoberfläche
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Sie liegen still auf dem Meeresgrund, oft vergessen, manchmal verloren – und töten dennoch seit Jahrzehnten. Geisternetze sind eines der drängendsten Umweltprobleme unserer Ozeane. Sabine Kerkau, erfahrene Techniktaucherin und Gründerin des Vereins Baltic C-Nature and Heritage Protection, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Netze aufzuspüren und zu bergen. Im Interview erklärt sie, was Geisternetze sind, warum sie so gefährlich sind – und was wir dagegen tun können.
Was sind Geisternetze?

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Geisternetze in Zahlen: Das Ausmaß des Problems
Der WWF schätzt, dass allein in der Ostsee jedes Jahr zwischen 5.000 und 10.000 Geisternetze verloren gehen. Gleichzeitig gelingt es Sabines Team, gerade einmal 5 bis 10 davon pro Jahr zu bergen. Eine ernüchternde Relation. Laut WWF macht verlorenes Fischereigerät rund 10 Prozent des weltweiten Plastikmülls in den Meeren aus.
„Was du nicht siehst, existiert nicht – aber 20 oder 30 Meter unter der Wasseroberfläche sieht es ganz anders aus.“Sabine Kerkau, Baltic Sea-Nature and Heritage Protection
Warum Geisternetze so gefährlich sind – für Tiere und Taucher
Geisternetze fangen weiter, obwohl kein Mensch sie mehr steuert. Fische schwimmen hinein und finden keinen Ausweg. An Wracks, die ohnehin als Schutzräume für Meereslebewesen dienen, beobachtet Sabines Team regelmäßig massenhaft tote Fische. Besonders bewegend: Auf einer Tauchmission in Schweden entdeckte das Team eine ganze Familie von Walen, die in solchen Netzen verendet war.
Für Taucher stellen Geisternetze eine ernste Gefahr dar. Wer sich in einem dieser Netze verheddert, gerät in Lebensgefahr. Die Netze sind kaum sichtbar, durch die Aufwirbelung von Sediment beim Anfassen entsteht null Sicht – und ein Lösen ohne Messer und Erfahrung ist kaum möglich.
Tauchend gegen Geisternetze: Das Baltic Sea Heritage Rescue Project

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Enger Takt, kleines Team
Die Arbeit mit Geisternetzen in dieser Tiefe verlangt höchste Konzentration. Zu viele Taucher gleichzeitig am Netz wären gefährlich – ein aufgewirbeltes Netz kann einen Taucher blitzschnell einfangen. Deshalb arbeiten immer nur kleine Gruppen, die sich regelmäßig abwechseln.Was passiert mit den geborgenen Geisternetzen?
Geborgene Geisternetze sind Sondermüll. Einfach entsorgen ist keine Option – falsches Lagern oder ein Sturm, und sie landen wieder im Meer. Sabines Verein arbeitet deshalb mit dem norwegischen Unternehmen „North“ zusammen, das auf die professionelle Verwertung von Fischereinetzen spezialisiert ist. Die Netze werden nach Litauen transportiert, dort zerlegt – Bleigewichte, Metallteile und Kunststoffe werden getrennt – und recycelt. Was daraus entsteht, ist überraschend: In Italien werden Biertischgarnituren und Bettwäsche daraus hergestellt, in Slowenien Socken. Prada hat bereits Sondermodelle von Rucksäcken aus recycelten Fischernetzen produziert. Armbänder aus ehemaligen Geisternetzen gibt es inzwischen bei verschiedenen Herstellern.Wie du helfen kannst – auch ohne Tauchschein
Der Verein Baltic C-Nature and Heritage Protection finanziert sich überwiegend aus Spenden und dem persönlichen Einsatz seiner Mitglieder. Wer die Arbeit gegen Geisternetze unterstützen möchte, kann:- Den Verein mit einer Spende unterstützen
- Als aktiver Taucher Mitglied werden
- Das Thema Geisternetze in der eigenen Tauchergemeinschaft sichtbarer machen
- Beim Kauf von Produkten auf recycelte Fischernetze als Material achten
Fazit: Geisternetze – aus den Augen, aus dem Sinn?
Sabine Kerkaus Arbeit zeigt eindrücklich: Geisternetze sind kein abstraktes Umweltproblem. Sie töten heute, jetzt, auf jedem Tauchgang. Und sie werden es noch in Jahrhunderten tun, wenn niemand handelt. Was wir nicht sehen, muss dennoch in unserem Bewusstsein bleiben – gerade weil es 30 Meter unter uns liegt. Wer mehr über Sabine Kerkau, ihre Expeditionen und die Arbeit des Vereins erfahren möchte, findet weitere Informationen auf der Website von Baltic C-Nature and Heritage Protection. Und wer wissen will, was eine Tauchleidenschaft mit persönlichem Mut und gesellschaftlicher Verantwortung verbindet – hört rein in die nächste Folge von „Tauch Talk“. Dieser Artikel basiert auf einem Interview mit Sabine Kerkau im Podcast „Tauch Talk“.
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Redaktion
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