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Rebreather Weltrekord: Wie Volker Klausen auf 224 Metern seine Sicherheit verlor – und wiederfand
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Ein Gerätefehler auf über 220 Metern Tiefe klingt nach dem Ende einer Geschichte. Bei Volker Klausen war es nur eine Zwischenstation. Der Gründer der Orca Dive Clubs stellte 2003 einen Rebreather Weltrekord im Tieftauchen auf – und musste dabei live erleben, was passiert, wenn die Technik, auf die man sich hundertprozentig verlässt, plötzlich streikt.
Wir haben mit Volker gesprochen, der aus dem Tauchlehrer irgendwann den Gründer eines der bekanntesten Tauchbasen-Netzwerke im deutschsprachigen Raum wurde – und der bis heute Geschäftsführer und Teilhaber der Orca Dive Clubs ist.
Vom DLRG-Schein zur ersten eigenen Tauchbasis

©Orca Dive Clubs
Seinen Einstieg ins Tauchen fand Volker beim DLRG, in einer Zeit, in der Tauchen lernen noch nach echtem Abenteuer klang. Aus dem Hobby wurde schnell mehr: 1986 eröffnete er seine erste eigene Tauchbasis in der Türkei, damals noch unter dem Namen Barracuda, nicht Orca. Erst später, gemeinsam mit einem Geschäftspartner, entstand daraus die Marke Orca – zunächst mit einer Basis in Hurghada 1993. Während sich die geschäftlichen Wege irgendwann trennten und der Partner den Reiseveranstalter-Zweig aufbaute, führte Volker die Orca-Tauchbasen weiter.
Die Faszination Rebreather
Mit Rebreather-Technik kam Volker erst 1998/1999 in Kontakt, über ein frühes halbgeschlossenes Kreislaufgerät. Der Reiz: weniger Ausatemblasen, dadurch näher an Fische heran, dazu längere Nullzeiten durch ein Nitrox-Gemisch. Nach dem Umstieg auf ein vollständig geschlossenes Kreislaufgerät mit Trimix-Gasgemisch – das auch deutlich tiefere Tauchgänge ermöglichte – begann gemeinsam mit Freunden wie Chris Ullmann und Manfred Führmann eine Idee zu wachsen: die 200-Meter-Marke zu knacken.
Wie aus einem Spaß-Ziel ein Weltrekord wurde
Bezeichnend für die Geschichte: Ein Weltrekord war nie der ursprüngliche Plan. Aus dem Wunsch, 200 Meter zu erreichen, wurde irgendwann die Schnapszahl 222 Meter – aus reinem Ehrgeiz unter Freunden. Erst als sich ein Filmteam für ein TV-Format anmeldete und man recherchierte, wie tief der bisherige Rekord im Rebreather-Tauchen lag (180 Meter), wurde aus dem Projekt offiziell ein Weltrekordversuch. Ein halbes Jahr intensives Training folgte, inklusive Yoga und Tauchgängen im Wüstenklima, um körperlich wie mental vorbereitet zu sein.
Der Tag des Tauchgangs
Der eigentliche Ablauf begann unspektakulär: Frühstück, ärztliche Untersuchung durch einen ägyptischen Taucharzt, dann der gewohnte Weg zum vorher installierten Habitat unter Wasser – einer Art Luftblase, die Kommunikation und sogar Essen in der Tiefe ermöglichte. Der komplette Tauchgang war auf rund acht Stunden angelegt. Sobald man im Wasser war, verschwand nach eigener Aussage die Nervosität, und das Abtauchen durch die Farbstufen von Blau zu völliger Dunkelheit wurde zum eigentlichen Erlebnis.
Der Moment, in dem die Technik versagte
Bei rund 190 Metern registrierte Volker ein leises Knacken am Gerät – ein Warnsignal, das er zunächst nicht einordnen konnte. Erst als er bei 224,5 Metern, dem tiefsten erreichten Punkt, versuchte, den Setpoint umzustellen, wurde klar: Wasser war in die Elektronik des Rebreathers eingedrungen, das Gerät funktionierte nicht mehr zuverlässig. Die trainierte Routine griff sofort – Umstieg auf das mitgeführte Bailout-System mit offenem Kreislauf.
Auf dem Weg nach oben, bei rund 150 Metern, während der ersten Dekompressionsstufen, ging dann auch die Bailout-Flasche zur Neige. In diesem Moment gab ein Sicherungstaucher direkt Luft ab – eine Situation, die Volker im Rückblick als eng beschreibt. Bei 80 Metern wurde schließlich eine Boje zur Oberfläche geschossen, um zu signalisieren, dass ein Ersatz-Rebreather benötigt wird; ein Sicherungstaucher brachte das Gerät anschließend runter.
Auftauchen als Erleichterung
Nach rund achteinhalb Stunden im Wasser war das dominierende Gefühl beim Auftauchen: Erleichterung, geteilt von allen drei Beteiligten. Bei sechs Metern Tiefe, während einer längeren Dekompressionsstufe, ließ sich sogar sprechen, essen und trinken – bis hin zu einer Bratwurst in einem druckdicht verschlossenen Behälter, der erst mit einem Messerstich zum Druckausgleich geöffnet werden musste.
Warum ein Rebreather überhaupt so besonders ist
Ein Rebreather reinigt die Ausatemluft über einen Atemkalk und speist verbrauchten Sauerstoff gezielt nach, statt wie beim offenen System ständig frisches Gas verbrauchen. Der Effekt: Ein 100-Meter-Tauchgang lässt sich mit vergleichsweise kleinen Gasvorräten bewältigen – deutlich günstiger als offenes Tauchen, gerade angesichts gestiegener Helium- und Sauerstoffpreise. Im Sportbereich bis etwa 40 Meter bedeutet das zudem kaum Dekompressionszeiten und praktisch blasenfreies Tauchen.
Was der Rekord verändert hat
Der Rebreather Weltrekord brachte Volker unerwartete Aufmerksamkeit – bis hin zu Autogrammwünschen im Flugzeug, was ihm nach eigener Aussage unangenehm war. Wichtiger als der mediale Effekt: ein fester Ruf in der Szene des technischen Tauchens, der sich auch geschäftlich positiv auswirkte. Der Rekord selbst wurde rund zwei Jahre später von anderen gebrochen; seither hat sich niemand mehr an einem vergleichbaren Projekt versucht – auch weil der technische und finanzielle Aufwand enorm ist und moderne Geräte für solche Tiefen schlicht nicht ausgelegt sind.
Fazit: Ehrgeiz mit Sicherheitsnetz
Rückblickend würde Volker nach eigener Aussage alles genauso wieder machen. Bemerkenswert an der Geschichte ist weniger der Rekord selbst als die Kombination aus halbjährigem Training, mehrfach abgesicherten Notfallplänen und der Bereitschaft, im Ernstfall sofort auf trainierte Routinen umzuschalten, statt in Panik zu verfallen. Wer selbst mit dem Gedanken an technisches Tieftauchen spielt, sollte genau das mitnehmen: gründliche Vorbereitung, ärztliche Kontrolle und ausreichend Sicherungstaucher sind kein optionales Extra, sondern die Voraussetzung dafür, dass aus Ehrgeiz kein Unglück wird.
Volkers komplette Geschichte zum Rebreather Weltrekord und den Gründungsjahren der Orca Dive Clubs gibt’s in Folge [XX] des Tauchtalk Podcasts – „[Episodentitel einfügen]“. Jetzt reinhören: [Link einfügen]
Schlagwörter: Rebreather, Weltrekord, Orca Dive Clubs, Tieftauchen, Technisches Tauchen, Volker Klausen, Trimix Kategorien: Portraits, Technisches Tauchen, Geschichte des Tauchsports
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