Talk
SSI Tauchausbildung: Wie aus Papier-Handbüchern eine digitale Weltmarke wurde
Von
SSI Tauchausbildung: Ein dickes Lehrbuch, abends in der Bar aufgeschlagen, um noch schnell das Kapitel für morgen durchzuackern – so sah Tauchausbildung über Jahrzehnte aus. Heute reicht ein Tablet oder das Smartphone. Dass dieser Wandel maßgeblich von einem einzigen Verband vorangetrieben wurde, wissen die wenigsten: Scuba Schools International, kurz SSI, ging als erster Anbieter der Branche konsequent den digitalen Weg – mit allen Kinderkrankheiten, die so ein Umbruch mit sich bringt.
Wir haben mit Ronny Kain gesprochen, International Training Manager bei SSI und seit rund 17 Jahren fest für den Verband tätig. Er hat den digitalen Wandel nicht nur miterlebt, sondern aktiv mitgestaltet.
Von Kalifornien nach Berlin: Eine kurze Geschichte der SSI

©Image by Franziska_Stier from Pixabay
Gegründet wurde SSI bereits 1970 in Kalifornien, USA. Ab 1974 entwickelte sich der Verband unter Bob Clark von Denver, Colorado aus zu einer festen Größe der amerikanischen Tauchausbildung – parallel zu Playern wie YMCA oder PADI, die damals das Tauchen aus einer eher exklusiven Nische heraus zugänglicher machten. In den 1980er-Jahren vergab die Clark-Familie erste Lizenzen außerhalb der USA, Anfang der 1990er erreichte SSI schließlich den deutschsprachigen Raum, zunächst über Österreich.
2002 oder 2003 übernahmen unter anderem Robert Stoß und der heutige CEO Guido Wetzig die Lizenz für Deutschland – ohne genau zu wissen, worauf sie sich einließen, wie Ronny es beschreibt, aber mit klarem Fokus aufs Tauchen. Um 2008/2009 kam es zu einer größeren Zäsur: Die deutsche Struktur übernahm das Unternehmen selbst von den amerikanischen Eigentümern, SSI International wurde als GmbH gegründet, ein European Service Center entstand, und auch in Ägypten wurde investiert – als naheliegendem Tauch-Hotspot für europäische Kund:innen.
Der Merger, der neue Märkte öffnete
Ein weiterer Wendepunkt kam 2014/2015 mit dem Zusammenschluss mit der Head-Gruppe, zu der unter anderem der italienische Ausrüstungshersteller Mares sowie die Rebreather-Marke Revo gehören. Für SSI bedeutete das Zugang zu Mares-Vertriebskanälen und damit zu Märkten, die zuvor nur schwer zu erschließen waren. Die Logik dahinter: Reisen, Ausbildung und Ausrüstung als die drei zentralen Säulen des Tauchsports ließen sich durch die Kooperation aus einer Hand abdecken.
Der Schritt ins Digitale – gegen anfänglichen Widerstand
Parallel entstand 2015 die Idee, mit der man SSI heute vor allem verbindet: komplett digitale Lehrmaterialien statt gedruckter Handbücher. Die Überlegung war simpel – niemand nimmt abends in der Bar noch ein Lehrbuch zur Hand, um Freund:innen zu zeigen, was er gelernt hat. Bilder, Emotionen, der eigene Tauchgang als Erlebnis – das wollte man stattdessen abbilden.
Der Weg dorthin war holprig. Es gab keine Vorbilder in der Branche, an denen man sich hätte orientieren können, App-Entwicklung funktionierte nicht immer wie geplant, und gerade ältere Fachhändler reagierten auf der Messe „boot“ 2015 zunächst ablehnend bis unfreundlich auf die Idee, gedruckte Bücher abzuschaffen. Ein Jahr später, als die App etabliert war, kippte die Stimmung: Dieselben Händler lobten plötzlich, dass die Materialien immer aktuell seien und man keine Bücher mehr kaufen müsse. Bei jüngeren Taucher:innen war die Skepsis ohnehin nie ein Thema.
SSI Tauchausbildung: Ein System, das im Hintergrund enorm komplex ist

©Image by NPschorr from Pixabay
Was nach außen simpel wirkt – eine App, ein Login –, ist im Hintergrund ein komplexes System: Unterschiedliche Berechtigungsstufen für Taucher:innen, Instruktoren und Tauchcenter, dazu Lehrmaterialien in mittlerweile 46 Sprachen allein für den Open-Water-Grundkurs. Ändert sich in einer Sprachversion ein Wort, lässt sich das zentral korrigieren und per Update an alle rund 120.000 zertifizierten Instruktor:innen weltweit ausspielen – ein Vorteil gegenüber gedrucktem Material, das SSI nach eigener Aussage einzigartig macht.
SSI Tauchausbildung: Was das für Taucher konkret bedeutet
Für Endkunden zahlt sich das vor allem bei Auffrischungen aus: Wer selten taucht, etwa nur einmal im Jahr im Ägypten-Urlaub, kann vor der Reise unkompliziert ein sogenanntes Scuba-Skills-Update in der App durchgehen, statt ein altes Lehrbuch zu wälzen. Ronny empfiehlt das explizit – wer mit frischem Wissen zur Tauchbasis kommt, taucht sicherer und entspannter in den ersten Tauchgang.
Auch das ProRewards-Punktesystem ist im Markt ungewöhnlich: Ausbildungen bei SSI generieren Punkte, die sich auf den Jahresbeitrag anrechnen lassen – ein Modell, das laut Ronny kein anderer großer Anbieter in dieser Form hat. Ergänzt wird das Portfolio durch Programme wie Blue Oceans, die schon im Kinderprogramm Umweltbewusstsein vermitteln, etwa durch einfache Strandreinigungen während der Ausbildung.
SSI Tauchausbildung: Netzwerk statt Zentrale
Ein weiterer Baustein der SSI Tauchausbildung ist die dezentrale Struktur: Statt einem einzigen Büro für ganz Europa mit seinen 44 Ländern und Sprachen unterhält SSI regionale Service-Center, etwa in Polen, Spanien oder Italien, mit direkten Ansprechpartner:innen vor Ort. Auch während der Corona-Pandemie zahlte sich das aus – SSI stellte kurzfristig kostenlose Webinare zu Themen wie Nitrox oder Science of Diving bereit, damit Taucher:innen sich trotz Reisebeschränkungen weiterbilden konnten.
Fazit: Digital, aber nicht unpersönlich
Der digitale Wandel bei SSI war kein Selbstzweck, sondern die Antwort auf ein einfaches Problem: Menschen haben heute weniger Zeit und wollen Wissen dort abrufen, wo sie gerade sind – im Flugzeug, am Pool, kurz vor dem ersten Tauchgang. Am eigentlichen Kern der Ausbildung, dem gemeinsamen Tauchgang mit einer echten Person im Wasser, ändert das nach Ronnys Worten nichts – die App macht nur den Weg dorthin smarter.
Mehr über Ronnys Werdegang und die Geschichte der SSI Tauchausbildung gibt’s in Folge [XX] des Tauchtalk Podcasts – „[Episodentitel einfügen]“. Jetzt reinhören: [Link einfügen]
Unsere Redaktion wird geleitet von Chefredakteur Markus Mensch, der sich schon als Redakteur für Munichs Best, dem blu Magazin und dem Leo Magazin einem Namen machen konnte. 2010 gründete er das Online-Magazin „magazine4“, welches Ende 2014 verkauft wurde. Nun sticht er mit “Monaco de Luxe” neu in See, vereint sein Netzwerk und seine Erfahrungen, um neue Ziele für seine Leser, Kunden und Partner zu erreichen.