Vier Millionen Mangroven gepflanzt, Tausende Schulstühle aus Meeresmüll produziert – die Mama Earth Foundation auf den Philippinen zeigt, wie praktischer Meeresschutz funktionieren kann. Ein Projekt, das Umwelt, Bildung und soziales Engagement vereint.
Meeresschutz klingt oft abstrakt, nach großen Konferenzen und fernen Zielen. Doch auf den Philippinen gibt es ein Projekt, das zeigt: Meeresschutz kann konkret, praktisch und sozial sein. Die Mama Earth Foundation ist eine deutsche Stiftung, die seit über 25 Jahren vor Ort drei Probleme gleichzeitig angeht: die Zerstörung von Mangrovengebieten, die Plastikflut im Meer und fehlende Bildungsinfrastruktur in armen Regionen.
Alles begann mit Mangroven bei Mama-Earth

Die Geschichte beginnt vor über 25 Jahren mit Uli, einem Verleger aus Hamburg, der ein Segelmagazin herausgab. Für eine Reportage reiste er auf die Philippinen, lernte dort eine Frau kennen – und beschloss zu bleiben. Er gründete die Mama Earth Foundation und begann mit aktivem Meeresschutz durch Mangroven-Aufforstung.
Mangroven sind die Kinderstuben der Fische, der Lebensraum, in dem Jungfische heranwachsen, geschützt vor Räubern. Aber auf den Philippinen waren viele Mangrovengebiete abgeholzt worden – die Fischer brauchten Holz zum Bauen, zum Heizen, zum Verkaufen. Die Folge: immer weniger Fische, immer weniger Einkommen.
Fischer werden zu Meeresschützern
Uli entwickelte eine pragmatische Lösung für den Meeresschutz: Er stellte die Fischer ein – nicht zum Fischen, sondern zum Pflanzen. Die Fischer sammelten Samen, zogen Zehntausende Setzlinge in großen Becken heran und pflanzten sie in den Küstengebieten.
Das Konzept funktionierte. Über 25 Jahre sind so mehr als vier Millionen Mangroven gepflanzt worden. Die Fischbestände erholten sich, die Fischer hatten regelmäßige Arbeit, die Küsten waren geschützt. Praktischer Meeresschutz mit direktem Nutzen für die lokale Bevölkerung.
Doch dann kam ein neues Problem: Plastikmüll. Immer mehr Plastikabfall verfing sich durch Ebbe und Flut in den Mangrovensedimenten. In Asien ist das Plastikproblem noch gravierender als in Europa. Flüsse spülen tonnenweise Müll ins Meer, Strände sind übersät mit Plastikflaschen, Tüten, Verpackungen.
Aus Meeresmüll macht Mama-Earth Schulstühle
Uli beauftragte die Fischer, auch den Plastikmüll einzusammeln. Ein wichtiger Schritt für den Meeresschutz – aber wohin mit dem gesammelten Material? Dann entdeckte er durch Zufall eine Fabrik in der Stadt Mindanao, die Gartenmöbel aus Plastik herstellte.
Die Idee war geboren: Warum nicht aus dem gesammelten Meeresmüll Schulmöbel produzieren?
Auf den Philippinen gibt es ein kostenloses Schulsystem. Der Staat baut Schulen, stattet sie mit Holzstühlen aus. Das Problem: Die Philippinen sind ein feuchtes Land mit vielen Insekten und Termiten. Die Holzstühle sind nach zwei Jahren kaputt, neue Stühle gibt es nicht.
Also produzierte die Mama Earth Foundation Schulstühle aus recyceltem Plastik. Robust, langlebig, wetterbeständig. Meeresschutz trifft auf Bildungsförderung – das Motto: Auf Müll sitzen, auf Müll lernen.
Wie ein Stuhl entsteht
Der gesamte Produktionsprozess ist durchdacht organisiert. In der Fabrik wird der aus dem Meer gesammelte Müll sortiert, gehäckselt und eingeschmolzen. Das Plastik, das nicht recycelt werden kann, wird verbrannt – aber nicht einfach so, sondern um die Öfen zu heizen.
Das geschmolzene Plastik wird in Formen gegossen und mit Hochdruck gepresst. Die fertigen Teile werden geschliffen, verschraubt, verspachtelt und lackiert. Wenn 20 bis 30 Stühle fertig sind, werden sie zu den Schulen gebracht.
Die Arbeitsbedingungen entsprechen nicht europäischen Standards, aber die Arbeiter haben einen Job, regelmäßiges Einkommen und sind zumindest grundlegend geschützt.
Mittlerweile gibt es Verträge mit vielen Schulen. Die Schulen sorgen dafür, dass nur die Kinder Stühle bekommen, die sich selbst keine leisten können. Kinder aus wohlhabenderen Familien müssen ihre Stühle selbst kaufen oder mitbringen.
Kinder lernen Meeresschutz mit Mama-Earth
Ein wichtiger Teil des Projekts ist Bildung. Die Kinder werden eingeladen, bei der Müllsammlung mitzuhelfen. Sie sollen verstehen, dass der Stuhl, auf dem sie sitzen, aus Plastik besteht, das jemand ins Meer geworfen hat. So wird Meeresschutz für die nächste Generation greifbar und verständlich.
In Ländern mit niedrigem Bildungsniveau fehlt oft das Verständnis für ökologische Zusammenhänge. Menschen werfen Plastik ins Meer, weil sie die Konsequenzen nicht kennen. Für viele ist das Meer einfach dunkel und groß. Sie wissen nicht, wie die Fische darin leben, was das Plastik anrichtet.
Deshalb ist Aufklärung so wichtig für nachhaltigen Meeresschutz. Je mehr diese Zusammenhänge in die Köpfe der Menschen kommen, desto größer ist die Chance auf Veränderung. Verbote allein funktionieren nicht – die Menschen müssen verstehen, warum Meeresschutz wichtig ist.
Was kostet ein Stuhl?
Ein Stuhl – inklusive Sammeln, Transport, Produktion, Lieferung an die Schule und Schulmaterial für das Kind – kostet 38 Euro. Das ist halb so viel wie ein Plastikstuhl aus China. Für diesen Betrag bekommt ein Kind vier Jahre lang einen Sitzplatz in der Schule – und lernt nebenbei etwas über Meeresschutz.
Die Mama Earth Foundation ist eine deutsche Stiftung, die Spendenbescheinigungen ausstellen kann, die steuerlich absetzbar sind. Das ist besonders für Unternehmen interessant, die ihr Engagement für Meeresschutz öffentlich machen möchten.
Große Unterstützer, große Wirkung
Im letzten Jahr gab es einen besonderen Erfolg: Boris Herrmann, deutscher Segler beim Vendée Globe, erfuhr von dem Projekt. Sein Team Malizia war so begeistert, dass sie 2,5 Millionen Mangroven spendeten – ein gigantischer Beitrag zum Meeresschutz.
Wenn große Unternehmen einsteigen, hat das natürlich eine andere Dimension als Einzelspenden. Aber auch jeder Einzelne kann etwas zum Meeresschutz beitragen – der Preis entspricht etwa dem einer Pizza im Restaurant.
Mama-Earth Meeresschutz mit Weitblick
Die Mama Earth Foundation hat ihr Engagement erweitert. Mittlerweile werden auch Riffe regeneriert und Teakwälder angepflanzt. Die Überlegung dahinter: Es hat keinen Sinn, Mangroven zu pflanzen, wenn sie in ein paar Jahren wieder abgeholzt werden, weil es kein anderes Bauholz gibt.
Also investiert die Stiftung auch in Teakwälder. Wenn das Holz in einigen Jahren reif ist, wird es verkauft, und die Filipinos haben nachhaltiges Bauholz. Ganzheitlicher Meeresschutz bedeutet auch, die Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort zu sichern.
Allerdings: Die Arbeit wird Jahrzehnte dauern. Denn im Moment nimmt das Plastikproblem weltweit noch zu, auch wenn es regional Fortschritte gibt.
Das größere Bild: Warum Meeresschutz so wichtig ist
Während über CO2 und Klimaerwärmung intensiv diskutiert wird, bleibt das Plastikproblem oft im Hintergrund. Dabei ist Meeresschutz mindestens genauso dringend. Wenn in den Meeren nichts mehr lebt, beschleunigt sich die Klimakatastrophe dramatisch. Die Ozeane sind die Lunge des Planeten – ohne intakte marine Ökosysteme kollabiert das gesamte System.
Das Plastik steht uns buchstäblich bis zum Hals. Unterwasserfotografen berichten von Plastikflaschen in 300 Meter Tiefe, 500 Kilometer vom nächsten Land entfernt. Es gibt kaum noch Orte im Meer, die plastikfrei sind.
Umso wichtiger sind Projekte wie die Mama Earth Foundation, die nicht nur aufräumen, sondern auch Bewusstsein schaffen und lokale Strukturen aufbauen. Echter Meeresschutz braucht genau das: praktisches Handeln, lokale Beteiligung und langfristige Perspektiven.
Wie kann man helfen?
Die Mama Earth Foundation ist erreichbar unter mama-earth.de oder mama-earth.eco. Dort gibt es Informationen über Spendenmöglichkeiten, aktuelle Projekte und die Entwicklung der letzten Jahre.
Jeder Beitrag hilft – ob Einzelspende, Unternehmenssponsoring oder einfach das Teilen der Information im eigenen Netzwerk. Denn das Wichtigste ist, dass die Idee verbreitet wird. Nur wenn möglichst viele Menschen von solchen Meeresschutz-Projekten erfahren, entsteht Druck auf Politik und Wirtschaft, strukturell etwas zu ändern.
Die Mama Earth Foundation zeigt, dass Meeresschutz konkret, pragmatisch und sozial sein kann. Dass man mit einfachen Mitteln Großes bewirken kann. Und dass es sich lohnt, nicht nur zu reden, sondern zu handeln.












