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Relaqua: Wenn Tauchen zur Entspannung wird

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©Nik Linder
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Was ist Relaqua? Wer taucht, denkt an Abenteuer, Tiefe, Leistung. Nik Linder hat einen anderen Ansatz entwickelt: Relaqua kombiniert Atemübungen, Meditation und Wassererfahrung – ohne Leistungsdruck, ohne Tiefenmessung, ohne Zeitstoppen. Ein Konzept, das zeigt, dass Tauchen auch ganz anders funktioniert.

Die meisten Menschen beginnen mit dem Tauchen aus drei Gründen: Sie suchen das Naturerlebnis, sie wollen eine Herausforderung oder sie möchten sich entspannen. Nik Linder, Apnoe-Tauchlehrer, beobachtete über Jahre hinweg ein Muster: Sobald eine Leistungsanforderung im Raum stand, konnten viele plötzlich mehr – auch diejenigen, die eigentlich nur entspannen wollten. Sie zeigten sich gestresst und sagten: „Hätte ich gewusst, dass mehr in mir steckt, hätte ich weiter gemacht.“

Doch Linder stellte sich eine andere Frage: Was wäre, wenn Entspannung nicht Mittel zum Zweck ist, sondern das Ziel selbst? Keine Zeiten, keine Tiefen, keine Wettbewerbe – nur Atmung, Wasser und das eigene Wohlbefinden. So entstand Relaqua.

Was ist Relaqua?

Relaqua: Taucher im Swimming Pool beim Relaqua
©Nik Linder

Der Name setzt sich zusammen aus „Relax“ und „Aqua“ – Entspannung und Wasser. Relaqua ist keine Tauchausbildung im klassischen Sinne, sondern eine Methode, die Atemtechniken, Meditation und den sogenannten Tauchreflex nutzt, um Stress abzubauen und Selbstwahrnehmung zu fördern.

Der Tauchreflex ist eine evolutionäre Anpassung des menschlichen Körpers an das Wasser. Sobald das Gesicht ins Wasser taucht, verlangsamt sich der Puls, die Durchblutung der lebenswichtigen Organe wird verbessert, und die Milz setzt rote Blutkörperchen frei. Dieser „Tauchmodus“ wirkt tiefenentspannend – ein Effekt, den sich Relaqua zunutze macht.

Im Wasser entsteht zudem eine Umgebung, die Meditation begünstigt: Man liegt mit geschlossenen Augen auf der Wasseroberfläche, die Ohren sind unter Wasser, viele Sinneseindrücke werden gedämpft. Sehen und Hören – zwei der wichtigsten Informationskanäle – treten in den Hintergrund. Was bleibt, ist die Konzentration auf den eigenen Körper, den Herzschlag, die Atmung.

Wie funktioniert ein Relaqua-Kurs?

Relaqua-Kurse gibt es in verschiedenen Formaten: als Tageskurse, als achtwöchige Programme oder als mehrtägige Intensivtrainings. Ein typischer Kurs dauert etwa 90 Minuten – 45 Minuten an Land, 45 Minuten im Wasser.

An Land werden Atemtechniken erklärt und theoretische Grundlagen vermittelt. Was passiert im Körper, wenn man entspannt? Warum schlägt das Herz langsamer, wenn man ins Wasser geht? Diese Theorie ist wichtig, denn wer zum ersten Mal bewusst seinen Herzschlag wahrnimmt und merkt, wie er sich verlangsamt, kann zunächst erschrecken. Ein bisschen Hintergrundwissen nimmt die Unsicherheit.

Im Wasser folgen dann verschiedene Übungen:

  • Bauchatmung und Atemmeditation: Mit Pool-Nudeln als Auftriebshilfe liegt man auf dem Wasser und konzentriert sich nur auf die Atmung.
  • Entspannung von Nacken und Schultern: Ein Partner gibt Feedback, wenn man noch angespannt ist – „Lass los, entspann dich.“ Diese körperliche Entspannung ist eng mit der mentalen verknüpft.
  • Herzschlagmeditation: Man lauscht dem eigenen Puls, spürt, wie er ruhiger wird.
  • Body Scan: Bewusstes Wahrnehmen des gesamten Körpers im Wasser.
  • Partnerübungen: Man lernt, dem Partner zu vertrauen und loszulassen.

Es geht nie darum, tief oder lang zu tauchen. Zeitnehmen ist kein Teil von Relaqua. Es geht um Selbstwahrnehmung, um die Verbindung zwischen Körper und Geist.

Für wen ist Relaqua geeignet?

Man muss kein Taucher sein, um Relaqua zu machen. Tatsächlich kommen viele Teilnehmer aus ganz anderen Bereichen: Yogis, die ihre Atempraxis ins Wasser übertragen wollen. Menschen mit leichter Wasserscheu, die einen sanften Zugang zum Element Wasser suchen. Gestresste Berufstätige, die nach einer Möglichkeit suchen, abzuschalten.

Auch Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen profitieren. Es gibt wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Relaqua bei Rückenschmerzen, Antriebslosigkeit und sogar bei Long COVID helfen kann. In Deutschland wird Relaqua mittlerweile von manchen Physiotherapeuten eingesetzt.

Natürlich nehmen auch Apnoe-Taucher teil – allerdings nicht, um ihre Leistung zu steigern, sondern um bewusster mit ihrer Atmung umzugehen und Stress zu reduzieren.

Warum ausgerechnet im Wasser?

Entspannungskurse gibt es viele: Yoga, Breathwork, Meditation, Progressive Muskelentspannung. Warum also im Wasser?

Linder sagt, dass das Wasser eine besondere Qualität hat. Es ist eine Umgebung, die von sich aus schon entspannend wirkt – der Tauchreflex, die Schwerelosigkeit, die gedämpften Geräusche. Im Wasser kommt man leichter zur Ruhe als an Land.

Gleichzeitig ist Entspannung sehr individuell. Was für den einen funktioniert, kann für den anderen ein Disaster sein. Eine Fantasiereise, ein Body Scan – jeder reagiert anders. Deshalb ist es wichtig, verschiedene Techniken auszuprobieren und zu fühlen, was einem persönlich guttut.

Relaqua Atmung: Roter Faden bei der Entspannung

Der zentrale Baustein von Relaqua ist die Atmung. Viele Menschen wissen gar nicht, wie sie atmen – obwohl sie es ständig tun. Linder erklärt, dass Atmung ein Werkzeug ist, das wir alle besitzen, aber selten bewusst nutzen.

Die Yogis nutzen Atemübungen seit 5000 Jahren. Sie sprechen nicht von „Luftanhalten“, sondern von einem „Atempause“ – einem Fenster nach innen, in dem man sich selbst besser wahrnehmen kann.

Im Relaqua-Training werden verschiedene Atemtechniken vermittelt:

  • Bauchatmung zur Beruhigung des Nervensystems
  • Atemmeditation zur Fokussierung
  • Atempausen zur Selbstwahrnehmung
  • Stressreduzierende Atemübungen

Diese Techniken haben jeweils unterschiedliche Wirkungen – aus Sicht der Yogis, aus Sicht der Atemtherapeuten, aus Sicht der Pneumologen. Aber am Ende zählt nur, was die Übung mit einem selbst macht. Und das muss jeder für sich herausfinden.

Ein Konzept, das sich entwickelt hat

Nik Linder begann vor über zehn Jahren, Atemkurse zu geben. Er bemerkte, dass er selbst – egal wie gestresst er vor einem Tauchgang war – danach immer völlig entspannt war. Er fragte sich, ob es anderen genauso geht. Und tatsächlich: Viele Teilnehmer berichteten von tiefer Entspannung nach den Kursen.

Mit der Zeit entwickelte sich daraus ein regelmäßiges Angebot. Heute gibt es über 100 ausgebildete Relaqua-Coaches weltweit. Nicht alle sind aktiv, aber viele bieten regelmäßig Kurse an – in Thermalbädern, Schwimmbädern, in Resorts am Roten Meer.

Linder selbst gibt monatlich Kurse in der Freiburger Therme und der Keidel-Therme. Jedes Mal steht ein anderes Thema im Mittelpunkt: Achtsamkeit, Atempause, Stressreduktion, Selbstwahrnehmung.

Relaqua: Wochen im Roten Meer

Wer Relaqua nicht nur im Pool, sondern im offenen Meer erleben möchte, hat die Gelegenheit dazu: Im Rahmen der „Action Sport Divers Days“ in der Orca Soma Bay gibt es regelmäßig Relaqua-Einheiten. Auch im April 2026 ist eine spezielle Relaqua-Woche geplant.

Das Programm kombiniert Atemübungen, Entspannungstechniken und sanftes Schnorcheln – ohne Leistungsgedanken. Es ist ideal für Menschen, die sich mit der Apnoe-Szene vertraut machen wollen, aber auch für diejenigen, die einfach eine Auszeit brauchen.

Die Kurse finden teils im Pool, teils im Roten Meer statt. Wer möchte, kann auch Freitauchen ausprobieren – aber ohne Seil, ohne Zeitmessung, ohne Wettkampfcharakter.

Selbstwahrnehmung in einer schnellen Zeit

Viele Menschen berichten heute, dass sie sich getrieben fühlen. Sie können nicht abschalten, sind ständig erreichbar, fühlen sich mental erschöpft. Burnout und psychische Belastungen nehmen zu.

Relaqua bietet hier einen Gegenpol: Zeit für sich selbst, bewusste Atmung, Entspannung als Ziel und nicht als Nebenprodukt. Viele Teilnehmer sagen, dass sie den Kontakt zu sich selbst verloren haben. Sie wissen nicht mehr, was ihnen guttut, können nicht mehr fühlen, wann es ihnen zu viel wird.

Relaqua hilft, diese Selbstwahrnehmung zurückzugewinnen. Im Wasser, ohne Ablenkung, nur mit der eigenen Atmung. Es ist eine kleine Oase – 90 Minuten, in denen man sich etwas Gutes tut.

Wie findet man einen Relaqua-Coach?

Wer Relaqua ausprobieren möchte, sollte schauen, ob es einen Coach in der Nähe gibt. Viele Relaqua-Lehrer bieten regelmäßige Kurse in öffentlichen Bädern oder Thermalbädern an. Auch im Rahmen von Tauchreisen – etwa im Roten Meer – wird Relaqua angeboten.

Es gibt auch eine fünftägige Ausbildung zum Relaqua-Coach: ein Tag online, vier Tage in Präsenz. Wer selbst die Techniken weitergeben möchte, kann diese Ausbildung absolvieren.

Relaqua Fazit: Entspannung als Ziel

Relaqua zeigt, dass Tauchen mehr sein kann als Tiefe, Zeit und Leistung. Es kann ein Weg zur Entspannung sein, zur Selbstwahrnehmung, zur inneren Ruhe. In einer Zeit, in der viele Menschen unter Dauerstress stehen, ist das ein wertvoller Ansatz.

Ob im Pool, in der Therme oder im Roten Meer – Relaqua bietet eine Möglichkeit, bewusst abzuschalten und etwas für sich selbst zu tun. Und vielleicht ist genau das, was viele brauchen: nicht noch mehr Leistung, sondern einfach mal loslassen.

Weitere Informationen

Nik Linder bietet regelmäßig Relaqua-Kurse an – unter anderem in der Freiburger Therme, der Keidel-Therme und im Rahmen der Action Sport Divers Days in der Orca Soma Bay. Wer Interesse hat, findet mehr Informationen auf seinen Social-Media-Kanälen oder kann direkt Kontakt aufnehmen.

Auch andere Relaqua-Coaches bieten Kurse in verschiedenen Regionen an. Es lohnt sich, nach Angeboten in der eigenen Umgebung zu suchen.

Klar, hier der zusätzliche Abschnitt für den Schluss:

Relaqua Podcast Folge: Hier kannst du mehr erfahren

Wer mehr über Relaqua und Nik Linders Ansatz erfahren möchte, kann in die Podcast-Folge von TauchTalk reinhören. Moderatorin Carolin Staab hat ihn ausführlich zu Gast gehabt und spricht mit ihm über Atemtechniken, den Tauchreflex, Selbstwahrnehmung und wie Relaqua konkret funktioniert. Die Folge bietet einen tiefen Einblick in die Philosophie hinter dem Konzept – und macht Lust, es selbst auszuprobieren. Zu finden unter tauchtalk.podigee.io.

Bildquelle: Nik Linder