Meerjungfrau werden! Fast jedes Mädchen träumt davon: Mit einer glitzernden Flosse durch das Wasser gleiten, elegant wie ein Delfin. Doch hinter dem Traum steckt knallhartes Training, unterschätzte Risiken und ein Sport, der Kraft, Ausdauer und Körperbeherrschung verlangt.
Bettina Marth hat sich den Traum erfüllt. Die Südtirolerin ist professionelle Meerjungfrau und Meerjungfrauen-Instructorin. Sie unterrichtet Kinder und Erwachsene im Meerjungfrauen-Schwimmen – und klärt auf über die Gefahren, die viele unterschätzen. Denn Meerjungfrau werden bedeutet mehr als eine hübsche Flosse anziehen und ins Wasser springen.
Von den Bergen ans Meer

Bettina kommt aus den Südtiroler Bergen. Das nächste größere Gewässer ist der Gardasee, zwei Stunden entfernt. Trotzdem wusste sie schon als Kind: Sie will Meerjungfrau werden. „Als ich in der Schule gefragt wurde, was ich werden möchte, habe ich gesagt: Meerjungfrau“, erzählt sie. „Natürlich wurde viel gelacht.“
Mit 20 Jahren machte sie ihren ersten Tauchkurs auf Elba. „Ich bin ins Wasser gegangen und es war einfach ein Traum. Ich wusste, ich will nie wieder etwas anderes machen.“ Sie begann ihre Ausbildung zur Tauchlehrerin, entdeckte später das Apnoe-Tauchen und schließlich das Meerjungfrauen-Schwimmen.
Als sie zum ersten Mal eine Monoflosse anzog, war klar: Das ist es. „Ich war fasziniert. Aber ich habe auch gemerkt, dass jemand, der das noch nie gemacht hat, sehr große Angst haben kann.“
Meerjungfrau werden: Die unterschätzten Risiken
Genau deshalb hat Bettina ihre Ausbildung zur Meerjungfrauen-Instructorin gemacht. „Ich finde es extrem gefährlich, dass Kinder oder generell Menschen mit einer Monoflosse ins Wasser gehen und nicht einmal wissen, wie gefährlich das sein kann.“
Das Problem: In einer Monoflosse sind beide Beine verbunden oder fühlen sich zumindest so an. Man muss sich über Wasser halten können, muss die richtige Technik kennen, muss wissen, wie man die Flosse im Notfall schnell auszieht. „Sicherheit steht an erster Stelle“, betont Bettina. „Deshalb war es mir wichtig, Kindern oder auch Erwachsenen zu zeigen: Pass auf, es gibt Kurse. Informiert euch vorher.“
Wer einfach online eine Flosse kauft und sein Kind damit ins Schwimmbad schickt, riskiert Unfälle. Kinder können in Panik geraten, nicht mehr hochkommen, sich nicht befreien. Deshalb: Meerjungfrau werden sollte man unter professioneller Anleitung.
Meerjungfrau werden: Harte Arbeit für den Körper
„Ich bin nicht die typische Meerjungfrau, wie man sie sich vielleicht vorstellt“, sagt Bettina. „Ich bin nicht so glitzernd und glamourös. Ich bin auch kein Meerjungfrauen-Model.“ Es gibt Meerjungfrauen, die ausschließlich für Fotoshootings arbeiten, in aufwendigen Kostümen posieren, perfekt geschminkt. Bettina hat sich auf den sportlichen Aspekt konzentriert.

„Die ganze Körperausbildung ist ein sehr hartes Workout“, erklärt sie. „Du schwimmst die ganze Zeit im Delphinstyle. Du arbeitest mit Bauch und Rücken, was sehr an die Grenzen geht.“ Viele stellen sich das leichter vor. Eine typische Meerjungfrauen-Schnupperstunde dauert etwa eine Stunde – und das reicht für den Anfang.
„Erst machen wir etwas Theorie, dann erklären wir die Flosse, dann geht es ins Wasser“, beschreibt Bettina den Ablauf. „Und dann ist manchmal die Frage: Warum dauert es nur eine Stunde? Ich sage dann: Wenn ihr das wirklich effektiv macht, dann merkt ihr am Anfang, dass es sehr anstrengend ist – wenn man nicht sehr, sehr sportlich ist.“
Die richtige Technik: Elegant wie ein Delfin
Wer Meerjungfrau werden will, muss mehr als nur mit den Beinen wackeln. „Wenn du professionell Meerjungfrauen-Schwimmen machst und nicht nur in Monoflossen schwimmst, muss es schön und elegant aussehen“, erklärt Bettina. „Du solltest dich nicht verbiegen, sonst bekommst du diese schöne Delfinbewegung nicht hin.“
Es geht um Körperkontrolle, um fließende Bewegungen, um diesen wellenförmigen Effekt. „Dann sieht es wirklich aus wie ein Delfin, wie ein echter Fisch.“ Wer das beherrscht, kann auch schöne Unterwasserfotos machen – ein Traum für viele, die Meerjungfrau werden wollen.
Überraschend: Mit einer Monoflosse ist man deutlich schneller als mit normalen Flossen. „Du bist unglaublich schnell“, schwärmt Bettina. „Ich hatte letztes Jahr in Cavallino eine Erfahrung mit einer riesigen Silikonmonoflosse. Die Flosse war halb so groß wie ich. Ich bin wie ein Delfin durch das Wasser geschwommen. Das ist unglaublich.“
Meerjungfrau werden: Nicht nur für Mädchen
Ein Vorurteil hält sich hartnäckig: Meerjungfrau werden ist etwas für Mädchen. „Leider hat unsere Gesellschaft immer noch die Tendenz, es als Mädchensache zu sehen“, sagt Bettina. „Manche Jungs wollen es ausprobieren, aber trauen sich nicht, weil diese Aussagen gemacht werden.“
Dabei gibt es durchaus männliche Meerjungfrauen – oder Meermänner, Tritonen, Neptune. „Es gibt Communities in Social Media, wo man wirklich Männer sieht mit diesen Monoflossen oder Meerjungfrauenkostümen“, erzählt Bettina. „Es gibt sogar ganze Events oder Festivals speziell für männliche und weibliche Meerjungfrauen-Models.“
Bei ihrer eigenen Ausbildung war ein Mann dabei. „Wir haben sehr lustige Fotos gemacht, wie diese Meerjungfrau auf uns steht, uns an den Haaren zieht – wirklich wie Triton oder Neptun durch das Wasser. Das geht in eine völlig andere Richtung. Es ist nicht nur dieses elegante, girly Meerjungfrauen-Ding, sondern auch Action und Spaß.“
Die richtige Ausrüstung
Wer Meerjungfrau werden will, braucht eine Monoflosse. Aber welche? „Wenn ihr zu meinem Kurs kommt, gibt es diese kleinen schwarzen Flossen, die Kinder normalerweise im Schwimmbad benutzen“, erklärt Bettina. Die sind für den Anfang okay, für professionelles Schwimmen aber nicht geeignet.
„Wenn ihr weitermacht, solltet ihr schon darüber nachdenken, eine wirklich tolle Monoflosse zu kaufen. Sicherheit steht immer an erster Stelle.“ Für Models gibt es aufwendige Silikonflossen, die traumhaft aussehen – aber auch 15 bis 20 Kilo wiegen und mehrere tausend Euro kosten.
„Ich persönlich habe keine Silikonflossen, weil ich nicht schnell genug aus der Flosse rauskomme und schnell reagieren kann“, sagt Bettina. Als Instructorin muss sie jederzeit handlungsfähig sein, falls ein Teilnehmer in Schwierigkeiten gerät.
Wichtig: Nie einfach online eine Flosse kaufen und das Kind alleine ins Wasser lassen. „Ich würde raten, nach einer lokalen Tauchschule oder Meerjungfrauen-Instruktoren zu suchen. Probiert es aus und kauft nicht einfach eine Flosse online und lasst euer Kind tauchen.“
Meerjungfrau werden: Für Kinder und Erwachsene
Kann man auch als Erwachsener noch Meerjungfrau werden? Auf jeden Fall. „Ich empfehle es wirklich jedem, der Interesse hat und keine Angst hat, es auszuprobieren“, sagt Bettina. „Es ist ein wunderbares Erlebnis.“
Die Entspannung unter Wasser, die Schwerelosigkeit, das Gefühl, endlich den Kindheitstraum zu leben – das funktioniert in jedem Alter. „Wenn du die Flosse anziehst und abtauchst, kannst du nicht atmen. Du hast die Beine zusammen. Es hat einen extremen Entspannungseffekt.“
Allerdings gibt es Einschränkungen. „Ab einer gewissen Kategorie kann man nicht mehr mitmachen“, erklärt Bettina. Wer starke Rückenprobleme hat, sollte vorsichtig sein. Andererseits: Die Rückenbewegung stärkt die Muskulatur im Rücken, im Becken und in den Beinen. Für viele ist es ein hervorragendes Training.
Wo kann man Meerjungfrau werden?

Wer jetzt Lust bekommen hat: Meerjungfrauen-Kurse gibt es mittlerweile in vielen größeren Städten. „Ihr könnt natürlich einfach im Internet suchen“, rät Bettina. „In eurer Nachbarschaft gibt es meist in größeren Städten fast überall Schulen, die Meerjungfrauen-Schwimmen unterrichten.“
Auch viele Tauchschulen bieten inzwischen Kurse an. Es gibt verschiedene Organisationen, die professionell ausgebildete Meerjungfrauen-Instructoren zertifizieren – etwa SSI oder andere Tauchverbände.
„Ich würde definitiv empfehlen, euch zu informieren und jemanden zu finden, der euch sympathisch ist“, sagt Bettina. „Obwohl ich glaube, dass Meerjungfrauen immer sympathisch sind.“
Einfacher Tipp: Einfach ausprobieren
Am Ende ist die Botschaft klar: Wer Meerjungfrau werden will, sollte es einfach versuchen. „Probiert es aus, seid mutig“, sagt Bettina. „Wir unterstützen euch und wir helfen euch dabei, dass ihr es wirklich gut macht und viel Spaß habt.“
Meerjungfrau werden ist kein unerreichbarer Kindheitstraum mehr. Es ist ein Sport, ein Hobby, eine Leidenschaft – und mit der richtigen Anleitung für jeden zugänglich. Egal ob Kind oder Erwachsener, ob männlich oder weiblich, ob Anfänger oder Fortgeschrittener.
Der erste Schritt: Einen Kurs buchen, die Flosse anziehen, ins Wasser gleiten. Und vielleicht stellt man fest: Der Traum vom Meerjungfrau werden war gar nicht so unrealistisch.












