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Schwanger Tauchen: Ein klares Nein

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schwanger tauchen eine schwangere Frau unter Wasser
(c) canva, von piskunov
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Schwanger tauchen – geht das? Die Antwort ist eindeutig: Nein. Sobald eine Schwangerschaft bekannt ist, gilt ein absolutes Tauchverbot. Tauchärztin Tanja Bayer erklärt, warum das so ist und wann der Wiedereinstieg nach der Geburt möglich ist.

Die Frage nach Schwangerschaft und Tauchen kommt regelmäßig. Werdende Mütter, die leidenschaftlich tauchen, wollen wissen: Darf ich weiter ins Wasser und schwanger tauchen? Muss ich wirklich neun Monate pausieren? Und was passiert, wenn ich getaucht bin, bevor ich von der Schwangerschaft wusste?

Tanja Bayer ist Tauchärztin in Oberursel und wird häufig mit diesen Fragen konfrontiert. Ihre Antwort ist klar: „Wenn ich schwanger bin und das weiß, dann ist es ein absolutes No-Go. Dann gehe ich nicht tauchen.“

Warum schwanger tauchen gefährlich ist

Schwanger tauchen Frau im Badeanzug macht Rückwärtssalto
(c) Image by Engin Akyurt from Pixabay

Der Grund ist einfach: Beim Tauchen nimmt der Körper Stickstoff auf – egal ob flacher oder tiefer Tauchgang. „Dieser Stickstoff geht in den Kreislauf des Ungeborenen über, weil der Kreislauf des Ungeborenen mit dem Mutterkreislauf verbunden ist“, erklärt Bayer.

Das Kind ist komplett abhängig vom mütterlichen Organismus. Was die Mutter einatmet, erreicht auch das Baby. Stickstoff unter Druck gehört definitiv nicht dazu.

Studien mit schwangeren Frauen gibt es aus ethischen Gründen nicht. „Es ist nicht akzeptabel, dass man sagt: Du bist schwanger, du gehst jetzt tauchen, und wir schauen mal, wie es mit deinem Kind läuft“, sagt Bayer. Es gibt lediglich Tierversuche mit Schafen, die in Druckkammern gesetzt wurden. Ergebnis: deutlich mehr Fehlbildungen an den Gliedmaßen bei den Jungtieren.

Was passiert, wenn man unwissentlich schwanger getaucht ist?

Viele Taucherinnen stellen erst nach einem Urlaub fest, dass sie schwanger sind. Panik ist dann nicht nötig. „Das ist auf keinen Fall ein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch“, beruhigt Bayer.

Es gibt Studien mit Frauen, die unwissentlich in der Frühschwangerschaft getaucht sind. Diese zeigen eine leicht erhöhte Zahl an Fehlbildungen, allerdings war die Zahl der Fälle sehr gering. „Man muss sehr vorsichtig sein mit der Interpretation“, warnt Bayer. Fehlgeburten in den ersten zwölf Wochen haben viele mögliche Ursachen – ob das Tauchen der Auslöser war, lässt sich nicht sicher sagen.

Wer dennoch auf Nummer sicher gehen will: „Wenn jemand einen Kinderwunsch hat und sagt, wir fahren nach Thailand und nutzen die entspannte Atmosphäre für diesen Kinderwunsch, dann würde ich empfehlen, in dieser Zeit nicht zu tauchen“, rät Bayer. Schwangerschaftstests funktionieren bereits eine Woche nach der Empfängnis – man sollte sich also etwas Karenzzeit einplanen.

Wann darf man nach der Geburt wieder tauchen?

Die Geburt ist überstanden, das Baby ist da – wann geht es zurück ins Wasser? „Das ist eine sehr individuelle Frage“, sagt Bayer. Der Körper braucht Zeit, um sich zu erholen.

Nach einer normalen vaginalen Geburt empfiehlt Bayer mindestens drei bis vier Wochen Pause. Es können Verletzungen entstanden sein, etwa durch einen Dammschnitt. „Das sind Wunden, die heilen müssen“, erklärt sie.

Nach einem Kaiserschnitt dauert es länger. „Da werden verschiedene Schichten durchtrennt. Das braucht Heilung, mindestens drei Monate, also zwölf Wochen.“ Aber das sind nur die rein physischen Aspekte.

Hormone, Schlafmangel, neue Prioritäten

(c) Image by Pixabay

Nach der Geburt spielt sich der Hormonhaushalt neu ein. „Es gibt eine Umstellung, einen Wandel. Dinge wie Schwangerschaftsdepression entstehen einfach durch die hormonelle Veränderung“, sagt Bayer. Der Körper muss sich stabilisieren.

Dazu kommt: „Jetzt hat man eine kleine Person, und diese Person ist zu 100 Prozent abhängig von mir.“ Das bedeutet wenig Schlaf, ständige Verfügbarkeit, Stress. „Nach der Geburt ist die Versorgung eines Babys eine Rundumbelastung“, beschreibt Bayer.

Realistisch gesehen vergehen frühestens fünf bis sechs Monate, bis Taucherinnen wirklich wieder ins Wasser wollen. „Und das ist total okay, wenn sie sich wohlfühlen“, betont Bayer. „Das ist immer das A und O beim Tauchen: Wenn etwas nicht stimmt, wenn wir uns nicht wohlfühlen, gehen wir nicht tauchen.“

Stillen und Tauchen – geht das?

Eine häufige Frage: Geht der Stickstoff in die Muttermilch über? „Nein“, sagt Bayer klar. „Der Stickstoff gelangt nicht in die Muttermilch oder in den Saugprozess oder in den Magen des Babys.“ Es gibt keine Verbindung zwischen Stickstoffblasen und Muttermilch.

Allerdings: Stillen ist mechanisch anstrengend. Entzündungen der Brustwarzen sind möglich, enge Neoprenanzüge unangenehm. „Das sind Dinge, die nicht so gut kompatibel sind mit dem Tauchen“, gibt Bayer zu bedenken.

Schnorcheln als Alternative zum Tauchen in der Schwangerschaft

Wer in der Schwangerschaft nicht aufs Wasser verzichten will: Schnorcheln ist erlaubt. „Bewegung im Wasser ist sehr gut für Schwangere, weil es die Gelenke schont“, erklärt Bayer. Schwimmen, im Wasser treiben lassen, mit der Poolnudel entspannen – alles kein Problem.

Auch Apnoe-Tauchen ist in Maßen möglich, wenn man es regelmäßig macht. „Man sollte nicht unbedingt damit anfangen, wenn man schwanger ist“, sagt Bayer. Aber Frauen, die es gewohnt sind – etwa die traditionellen Perlentaucherinnen – können flache Tauchgänge machen.

Wichtig ist: keine Pressatmung, kein Stress, kein Leistungsdruck. „Schwangere sind nicht krank“, betont Bayer. „Aber sie merken genau, was gut für sie ist und was nicht.“

Schwanger tauchen? Nein. und danach? Keine Eile

Viele Taucherinnen spüren nach der Geburt erst einmal keine Lust aufs Tauchen. Neue Ängste kommen auf: Was passiert, wenn unter Wasser etwas schiefgeht? Wer kümmert sich um das Baby?

„Manche fangen erst wieder an, wenn die Kinder alt genug sind für ihren Bubblemaker oder den Kindertauchkurs“, erzählt Bayer. „Vorher haben andere Dinge Priorität.“ Und das ist völlig in Ordnung.

Wer wieder einsteigen will, sollte es ohne Druck tun. „Ich merke bei Gesprächen mit Taucherinnen, ob sie bereit sind oder nicht“, sagt Bayer. „Wenn der Körper sagt: Jetzt ist es gut, dann ist es leicht. Wenn man noch nicht bereit ist, dann ist man nicht bereit.“

Fernreisen und Kinderwunsch

Ein Hinweis noch für Paare mit Kinderwunsch, die eine Tauchreise planen: „Reisen in die Ferne sollte man mit einem Tropenmediziner oder Reisemediziner besprechen“, rät Bayer. Manche Infektionskrankheiten wie das Zika-Virus sind für Schwangere gefährlich und können schwere Hirnschäden beim Ungeborenen verursachen.

„Ich rate Paaren, die nach Südamerika oder Indien reisen wollen, dass sie nach der Rückkehr drei bis sechs Monate mit einer sicheren Empfängnis warten sollten“, erklärt Bayer. Die Inkubationszeit mancher Viren ist lang – das Risiko mag klein sein, aber wenn es eintritt, ist es 100 Prozent problematisch.

Fazit: Hören Sie auf Ihren Körper

Schwangerschaft und Tauchen passen nicht zusammen. Punkt. Aber die Pause ist zeitlich begrenzt, und es gibt Alternativen wie Schnorcheln. Nach der Geburt entscheidet der eigene Körper, wann der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg ist.

„Schwangere Frauen wissen genau, was gut für sie ist“, sagt Bayer. „Und wenn sie nicht bereit sind, dann sind sie nicht bereit. Kein Stress.“

Schwanger tauchen – Das vollständige Gespräch anhören

Mehr zum Thema Schwangerschaft und Tauchen, Stillen und Wiedereinstieg gibt es im Tauch Talk Podcast mit Tauchärztin Tanja Bayer. Die komplette Folge findet ihr auf allen gängigen Podcast-Plattformen.