Wer besondere Tauchplätze sucht, muss manchmal weit reisen. Sehr weit. Manfred aus Braunschweig war in der Triton Bay in West-Papua – vier Flüge, zwei Stunden Speedboat, null andere Taucher. Ein Erfahrungsbericht über einen Ort, an dem die Zeit stillsteht.
Ägypten ist schön. Ägypten ist nah. Ägypten kennt jeder. Aber wer einmal etwas völlig anderes erleben will, muss über den Horizont blicken. Manfred, Inhaber des Tauchshops „Die Tauchprofis“ in Braunschweig, hat genau das getan – und ist in der Triton Bay gelandet, einem Tauchgebiet in West-Papua, das so abgelegen ist, dass schon die Anreise zum Abenteuer wird.
Vier Flüge bis ans Ziel: Triton Bay!

Die Reise beginnt in Hannover. Von dort geht es mit Turkish Airlines über Istanbul nach Jakarta. Weiter mit einem Inlandsflug nach Sorong, dann mit einer Propellermaschine nach Kaimana. Insgesamt vier Flüge – auf dem Rückweg sogar sechs Starts und Landungen. Kaimana liegt in West-Papua, dem indonesischen Teil Neuguineas, nordöstlich von Australien.
Die Ankunft ist bereits ein Erlebnis: Der kleine Flughafen ist festlich geschmückt, überall stehen Menschen, Kapellen spielen, Chöre singen. Eine Pilgergruppe aus Mekka wird empfangen. Indonesien ist zu 40 Prozent muslimisch und zu 40 Prozent christlich – eine moderate, tolerante Mischung, die Manfred und seine Gruppe sofort spüren. Die Einheimischen sind neugierig, freundlich, begeistert von den weißen Besuchern, die hier selten zu sehen sind. Unzählige Gruppenfotos werden geschossen, die Gäste fühlen sich wie Stars.
Nach dem Airport-Empfang geht es mit dem Auto zum Hafen, von dort mit einem komfortablen Speedboot etwa zwei Stunden zur Insel. Die Unterkunft: ein kleines Resort mit ursprünglich sechs Bungalows, aus lokalem Holz gebaut, mitten im Dschungel. Für Manfreds Gruppe wurden zwei weitere Bungalows errichtet – am Ende hatte die Reisegruppe das gesamte Resort für sich allein.
Allein im Paradies Triton Bay
Das ist der entscheidende Unterschied zu den meisten anderen Tauchzielen: In der Triton Bay gibt es keine anderen Taucher. Keine überfüllten Boote, keine Tauchplätze mit zehn Gruppen gleichzeitig, keine Schlangen am Riff. Nur das eigene Team, das Meer und die Natur. Gelegentlich tauchen Safari-Boote im Nationalpark auf, zahlen ihre Gebühr und verschwinden wieder. Ansonsten: Stille.
Die Bungalows sind einfach, aber funktional. Es gibt keinen Strom rund um die Uhr, kein WLAN im Zimmer – nur im Restaurant, wenn man Glück hat. Manfred beschreibt es als „wirklich weg sein“. Wer hierher kommt, will digital detoxen und sich auf das Wesentliche konzentrieren: Tauchen, Natur, Entschleunigung.
Allerdings teilt man sich die Unterkunft mit einigen tierischen Mitbewohnern: Geckos, Spinnen, große Kakerlaken. Manchmal verirrt sich eine Schlange in die Nähe der Bungalows. Das gehört dazu, wenn man mitten im Dschungel wohnt.
Korallen, Makro und Fischschwärme ohne Ende in Triton Bay!
Die Triton Bay gehört zum sogenannten Korallendreieck – einer Region mit der höchsten Artenvielfalt der Welt. Die Farben unter Wasser sind so intensiv, dass sie kaum zu beschreiben sind. Die Riffe sind intakt, gesund, nicht überlaufen. Dynamitfischen gibt es hier nicht, die Natur ist weitgehend unberührt.
Manfred schwärmt von der Makro-Welt: winzige Schnecken, Pygmäen-Seepferdchen, die gerade mal ein paar Zentimeter groß sind. Dazu kommen gigantische Fischschwärme, so dicht, dass man den eigenen Buddy aus den Augen verlieren kann. Ein Phänomen, das selbst erfahrene Taucher ins Staunen versetzt.
Ein besonderes Highlight sind die Epaulettenhaie – Haie, die tatsächlich laufen können. Sie sind nur hier zu finden, werden zwischen 50 Zentimetern und drei Metern lang und sind ausschließlich nachts aktiv. Kein Vergleich zum Weißen Hai, eher skurrile, faszinierende Wesen, die über den Meeresboden kriechen.
Schwimmen mit Walhaien
Der absolute Höhepunkt der Reise: Walhaie. Nicht zufällig irgendwo auf dem offenen Meer, sondern an sogenannten Bagans – schwimmenden Plattformen, auf denen lokale Fischer ihren Fang säubern. Die Walhaie wissen das und kommen regelmäßig vorbei, um die Fischreste aufzusammeln.
Manfreds Gruppe erlebte Tauchgänge mit bis zu vier Walhaien gleichzeitig. Tiere von etwa zehn Metern Länge, die gemütlich um die Plattform kreisten, direkt vor den Tauchern vorbeizogen, manchmal sogar über sie hinwegschwammen. Dazu kamen Delfine – Schulen mit 20, 30 Tieren, die aus allen Richtungen auftauchten.
Für diese Begegnungen steht man um vier Uhr morgens auf. Das hat nichts mit entspanntem Urlaub zu tun, aber die Erfahrung ist so intensiv, dass niemand das Aufstehen bereut. Die Walhaie sind keine Gefahr – sie ernähren sich von Plankton und kleinen Organismen, saugen alles durch ihr riesiges Maul wie ein Staubsauger. Sanfte Riesen, die einfach ihrer Wege ziehen.
Organisation und Service
Die Tauchbasis ist klein, aber professionell organisiert. Die lokalen Guides sind freundlich, hilfsbereit und kümmern sich um alles. Die Ausrüstung wird vom Bungalow zum Boot getragen, nach dem Tauchgang wieder zurück. Niemand muss selbst schleppen, alles wird sorgfältig behandelt.
Pro Tag werden drei Tauchgänge angeboten: zwei am Vormittag, einer am Nachmittag. Zwischen den Tauchgängen gibt es eine Pause an einem unberührten Strand – Picknick, Tee, Kekse, Blick ins Paradies. Wer mag, macht nur zwei Tauchgänge und verbringt den Nachmittag am Strand. Flexibilität ist hier selbstverständlich.
Für wen lohnt sich die Reise nach Triton Bay?
Die Triton Bay ist nichts für Kurzentschlossene. Die Anreise dauert mindestens zwei Tage, die Infrastruktur ist einfach, Luxus gibt es nicht. Wer Komfort, WLAN und Zimmerservice erwartet, ist hier falsch.
Aber wer bereit ist, sich auf ein Abenteuer einzulassen, wird belohnt: mit einer Unterwasserwelt, die ihresgleichen sucht, mit absoluter Ruhe, mit Begegnungen, die man sonst nirgendwo erlebt. Die Triton Bay ist das Gegenteil von Massentourismus – ein Ort für Taucher, die das Besondere suchen und dafür auch Strapazen in Kauf nehmen.
Manfred fasst es so zusammen: „Jeder in unserer Gruppe sagte am Ende: Das haben wir nicht erwartet. Das war wirklich wow.“ Mehr Empfehlung braucht es eigentlich nicht.
Praktisches zu Triton Bay
Die Reise führt über Istanbul und Jakarta nach Kaimana. Von dort geht es mit dem Speedboot zum Resort. Die Tauchbasis organisiert alles vor Ort, inklusive Nationalpark-Gebühren und Bootstransfers. Beste Reisezeit: April bis November. Die Wassertemperatur liegt ganzjährig bei etwa 28 Grad.
Wer Interesse hat, sollte rechtzeitig buchen – das Resort ist klein und oft ausgebucht. Auch die Flüge sollten frühzeitig gebucht werden, da die Verbindungen nach Kaimana begrenzt sind.












